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Der Vatikan

Eine kurze Geschichte über den Vatikan

(bei einem Klick auf die blau unterstrichen Wörter gibt es jeweils nähere Infos)

 

Der Amtssitz der Päpste war bis ins 14. Jahrhundert nicht der Vatikan, sondern der Lateranpalast.

Vatikan" bezeichnete zunächst einen am rechten Tiberufer gelegenen Hügel Roms (mons vaticanus).

Dort befand sich in der Antike der Zirkus des Kaisers Nero, in dem Martyrien und Hinrichtungen

zahlreicher Christen und Juden stattgefunden haben sollen. Nördlich des Zirkus befand sich ein kleiner

Friedhof, auf dem angeblich der Apostel Petrus begraben wurde. Schon wenig später baute man dort

eine erste Kirche, und im 4. Jahrhundert ließ Kaiser Konstantin an ihrer Stelle eine große Grabeskirche

errichten - St. Peter. Der Vatikan wurde damit zum zentralen Wallfahrtsort der Petrusverehrung. In den

folgenden Jahrhunderten entstanden weitere Gebäude auf dem Hügel, vor allem so genannte scholae,

die Wallfahrern verschiedener Nationalitäten Unterkünfte, Kapellen und Friedhöfe boten, aber auch

über Wehranlagen verfügten. Unter Leo IV. wurden in der Mitte des 9. Jahrhunderts größere

Befestigungen um den gesamten Wallfahrtsort errichtet (Leostadt).

 

Mit dem Zerfall des römischen Reiches beanspruchten die Päpste unter Berufung auf die so genannte,

im 15. Jahrhundert als Fälschung enttarnte, konstantinische Schenkung die weltliche Herrschaft über

das Territorium um Rom, welches somit zur Keimzelle des künftigen Kirchenstaats wurde. 751 wurde

ihnen dieser Staat durch die Pippinische Schenkung endgültig garantiert. Die Päpste residierten jedoch

nicht im Vatikan, sondern im Lateranpalast, und die Kathedrale des Papstes als Bischof von Rom blieb

bis heute die Lateranbasilika.

 

Der Vatikanische Hügel wurde erst am Ende des 14. Jahrhunderts mit dem Ende des Schismas und der

Rückkehr der Päpste aus Avignon (1377) zum päpstlichen Regierungssitz, Standort der römischen

Kurie und damit zum Zentrum des Kirchenstaats sowie der katholischen Kirche insgesamt. Nach dem

Schisma sollte die neu gewonnene Einheit der Kirche durch große Bauprojekte verdeutlicht werden.

Der vor den Toren Roms befindliche Vatikan bot dafür neben der Nähe zu den vermuteten Gebeinen

Petrus' auch ausreichend unbebauten Raum. Vor allem Nikolaus V. entwarf Mitte des 15. Jahrhunderts

gewaltige Baupläne, die aber unter ihm und seinen Nachfolgern nur zum Teil umgesetzt wurden. Teils

planvoll, teils aus pragmatischen Gründen entstanden in den folgenden Jahrhunderten Kirchen,

Kapellen, Verwaltungsgebäude, Wehranlagen, Unterkünfte und andere Bauwerke auf dem

Vatikanischen Hügel. 1506 begannen die Bauarbeiten am Petersdom. 1589 gab Sixtus V. den Bau des

Apostolischen Palastes in Auftrag, der noch heute die Wohnung des Papstes und wichtige

Verwaltungsorgane enthält. 1626 wurde der Petersdom eingeweiht, der Endausbau dauerte aber bis

1650. Kurz darauf erhielt auch der Petersplatz seine heutige Form.

 

Parallel zum Ausbau des Vatikans weitete sich auch das Territorium des Kirchenstaats aus. Bis ins 19.

Jahrhundert erstreckte er sich über das heutige Mittelitalien, allerdings wurde 1798 im Zuge der

französischen Revolution das Gebiet zur „Römischen Republik“ erklärt, 1808 wurden die Territorien

dem Königreich Italien einverleibt. Der Wiener Kongress stellte den Kirchenstaat jedoch wieder her.

 

Im Zuge der italienischen Einigung wurde der Kirchenstaat durch König Viktor Emanuel II. im Jahre

1870 besetzt. Der Status der Vatikanstadt war zunächst ungeklärt, jedoch blieb in ihr de facto die

Herrschaft der katholischen Kirche bestehen, so dass sich ab 1870 die kirchlichen Verwaltungsorgane

aus dem restlichen Kirchenstaat in der Vatikanstadt konzentrierten. In dieser Zeit entwickelte sich die

bauliche und institutionelle Abschottung vom Rest Roms. Erst durch die Lateranverträge von 1929

zwischen dem Heiligen Stuhl und dem faschistischen Königreich Italien unter Benito Mussolini wurde

der Kirchenstaat wieder als souveräner Staat festgeschrieben. Danach umfasst er aber nur noch das

von einer Mauer begrenzte Gelände um den Petersdom.

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Alle Päpste im Überblick beim Klicken auf das Bild

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Gab es einmal eine Päpstin?

Martinus Polonus, Dominikanermönch und seinerzeit bekannter Geschichtsschreiber, veröffentlichte 1265 eine Chronik der Kaiser und Päpste. Darin beschreibt er einen in Mainz aufgewachsenen Engländer, der dank seiner überragenden Gelehrsamkeit Karriere in der Kirche machte und 855 zum Papst gewählt wurde.

Schwangere Päpstin
Doch - das der unfassbare Skandal - der Engländer soll in Wahrheit eine Engländerin gewesen sein, die sich als Mann ausgab. Gemäss Polonus flog der Schwindel 858 auf, als die schwangere (!) Päpstin bei einer Prozession einen Spontanabort erlitt und vom aufgebrachten Mob gelyncht wurde.

Vertuschung durch Nachfolger
Der nachfolgende Papst Benedict III soll danach Geschichtsklitterung getrieben haben, indem er seine eigene Wahl in den Dokumenten des Vatikans drei Jahre vordatierte und jeden Verweis auf die Päpstin Johanna entfernen liess.

Für bare Münze genommen
Diese Geschichte wurde von anderen Historikern des Mittelalter aufgenommen und verbreitet. Im 15. Jahrhundert zweifelte kaum mehr jemand daran, dass tatsächlich mal eine Frau den Heiligen Stuhl besetzte.

Mörder, Sadisten, aber keine Frau
Nun, es standen tatsächlich schon höchst dubiose Charaktere an der Spitze der Kirche: Lügner, Sadisten, Atheisten, Freier, Mörder. Aber eine Frau? Das denn doch nicht; moderne Historiker verweisen die Geschichte der Päpstin Johanna ins Reich der Legenden. Zwei Indizien sprechen gegen ihre Existenz:

Von Zeitgenossen nicht erwähnt
In keiner zeitgenössischen Quelle aus dem 9. oder 10. Jahrhundert ist von einer Päpstin die Rede. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es von keinem einzigen Schreiber aufgenommen wurde, wenn er sich tatsächlich so zugetragen hätte. Die 400 Jahre Differenz zwischen dem angeblichen Ereignis und der Niederschrift durch Polonus sprechen ohnehin nicht für Authentizität.

Eine Geschichtsfälschung durch Benedict III.
Die angebliche Geschichtsverfälschung durch Benedict III. wird durch eine Münze wiederlegt. Sie zeigt auf einer Seite sein Bild, auf der anderen jenes des Kaisers Lothar. Letzterer starb im September 855. Da fränkische Münzen immer mit dem Bild des aktuellen Herrschers geprägt wurden, musste Benedict III noch zu Lebzeiten Lothars zum Papst gewählt worden sein. Das bestätigt auch eine Schrift aus dem Kloster Reims. Demnach wurde ein Bote zu Papst Leo IV. entsandt. Dort angekommen habe er von dessen Tod erfahren und die Nachricht seinem Nachfolger, Benedict III. übergeben. Für eine Päpstin Johanna bleibt zwischen Leo IV. und Benedict III. also schlicht kein Platz.

Legende geht wohl auf dominierende Frauen zurück
Unklar ist, wie diese Legende entstand. Wie die meisten Sagen wird sie wohl einen Bruchteil an Wahrheit enthalten. Möglich, dass sie indirekt auf Theodora und Marozia zurückgeht; Mutter und Tochter, die als Mätressen mehrerer Päpste und Herrscher die bestimmenden Figuren in der römischen Politik des 10. Jahrhunderts waren.

Stuhl "Sedes stercatoria" als "Beweis"
Als "Beweis" für den Wahrheitsgehalt der Johanna-Legende galt lange Zeit ein besonderer Marmorstuhl, auf dem Päpste im Mittelalter bei ihrer Amtseinführung Platz nahmen. Der stand vor der Lateranbasilika und hatte seltsamerweise ein grösseres Loch im Sitz.

Geschlechtertest
Angeblich war es nun Aufgabe des jüngsten anwesenden Diakons, vor der Amtseinführung durch das Loch dem künftigen Papst zwischen die Beine zu greifen - um zu testen, ob er wirklich ein Mann ist oder möglicherweise eine Johanna II.

Hodengriff durch Diakon
Wurde er fündig, bestätigte er das mit "testiculos habet" - "er hat Hoden". Worauf die versammelten Kleriker mit "deo gratias" - "Gott sei Dank" - antworteten. So geschrieben in einem Werk von 1490. Aber das ist natürlich Quatsch, kein Papst musste sich einem Hodengriff unterziehen. Der Stuhl war schlicht ein massiver Badestuhl aus der Zeit der Römer. Und weil er nun mal am Ort der früheren Inaugurationszeremonie stand, wurde er auch benutzt.